Wildbienen sind mit die wichtigsten Bestäuber für über 4000 Sorten an Gemüse und Obst was auf unseren Tellern landet. Aber abseits davon bestäuben Wildbienen auch Pflanzen die nicht nur für uns, sondern vor allem für andere Lebewesen und unsere Umwelt und Natur wichtig sind. und das nicht zuwenig. Denn aufgrund ihrer Lebensart (die meisten Wildbienenarten leben einzeln und nicht in Staaten wie die Honigbiene) bestäuben sie bis zu 3 mal mehr Pflanzen als die viel mehr bekannte Honigbiene. Das erhält die immer stärker gefährdete Artenvielfalt.

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Doch die Tiere sind bedroht. Vor allem durch Ackergifte wie Neonicotinoide die in der konventionellen Landwirtschaft bei Monokulturen oder sogar von Hobbygärtnern eingesetzt werden, sondern auch durch die immer stärkere Versiegelung von Böden durch Baumaßnahmen. Denn einige Arten nisten auch im Boden... so auch die Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulva) die mit einer der größten Populationen die Dillgesstraße im Berliner Stadtteil Lankwitz ihr Zuhause nennt.

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Bild 1: Bau eines neuen Nestes im Mosaikpflaster eines Gehweges aus der Popo-Perspektive

Seitdem wir im Jahr 2015 von dieser Art Kenntnis hatten, ist bereits schon viel passiert was die Tiere stark gefährdete, aber auch viel durch uns was die Tiere bewahrte:

 

  • 2016 Februar  
    Bedrohung durch Arbeiten und Abladen von Baumaterial für Maßhnamen der energetischen Sanierung in der Dillgesstraße
  • 2016 April       
    Verordnung von Auflagen durch die Untere Naturschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf und die Oberen Naturschutzbehörde Berlin zum Schutz der Population
  • 2017 März       
    Wildbienenpopulation hat Dank der durch die Naturschutzbehörden verordneten Maßnahmen überlebt, hat allerdings aufgrund der Witterung im Laufe des Aktivitätszeitraumes. EIne Ausarbeitung von Pflegemaßnahmen für diese Flächen findet in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und Wildbienenexperten statt.
  • 2017 April      
    In letzter Sekunde und nur durch Zufall konnten wir das auftragen von Humus auf die gesamte Fläche, durch den vom Eigentümer für die Pflege der Flächen beauftragten Gartenlandschaftsbauer, stoppen, welches für die Tiere mitten im Aktivitätszeitraum (März bis Juni) einen Abbruch der Nistaktivitäten bedeutet hätte

 

Wie begann das alles?

Im Zuge der seit Mai 2016 stattfindenden energetischen Sanierung der Häuser in der Dillgesstraße im Berliner Stadtteil Lankwitz, war eine sehr große und wertvolle Population (Aggregation) der Roten Sandbiene (Andrena Fulva) von der Ausrottung bedroht. Durch die Ablagerung von Baumaterial auf den Nistflächen der Bienen, hätten diese keinen Zugang mehr zu den bereits besiedelten Nistplätzen gehabt bzw. wären durch Material in den Nistgängen eingesperrt worden und verhungert.

Denn anders als die Honigbiene, ist die Rote Sandbiene eine solitäre Bienenart (also Einzelgänger), die ohne Hilfe von Artgenossen ihre Nester im Boden baut und Ihre Brut versorgt. Alle Aufgaben werden von einer einzigen Biene erledigt, vom Bau der Brutkammern über die Futterbereitstellung bis hin zur Eiablage. Nach erfolgreicher Arbeit verstirbt die Biene und Ihr Nachwuchs schlüpft im nächsten Jahr um den Zyklus erneut zu beginnen.

Ihre Nester baut die Sandbiene mit Vorliebe, wie der Name vermuten lässt, auf sandigen Flächen. Im Falle der Dillgesstraße scheint der Rasen und das Mosaiksteinpflaster der Gehweges besonders geeignet zu sein. So kann man dort in der Regel von März bis Juni zunehmend immer mehr kleine Sandhaufen entstehen sehen, die durch die schlüpfenden Bienen erzeugt werden, welche diese Schlupflöcher zum Teil für die Anlage der eigene Brut nutzen.

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Bild 2: Zugang mit Mosaikpflaster zu einem der Häuser in der Dillgesstraße / Sandhügel ohne Ende

Normalerweise sind die Populationsdichten der Sandbiene eher gering, weshalb die Menge an Individuen in der Dillgesstraße bereits ein Schatz an Sich ist, den es zu erhalten gilt. Aber Wildbienenarten stehen auch unter einem besonderen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Grund dafür ist das diese eine um bis zu 3-fach höhere Bestäubungsleistung als die normale Honigbiene schaffen, was neben den Vorteilen für die Natur auch wirtschaftlich ein wichtiger Faktor ist. Von den Vorteilen für die Biodiversität (Biologische Vielfalt) ganz zu schweigen. Und das viel besser als Honigbienen, die es hier in Deutschland ohne Imker nicht mehr geben würde, da diese durch Pflanzenschutzmittel (Neonicotinodide und Glyphosat) und Milbenbefall (Varoa) extrem geschwächt werden.

Dank Kenntnissen zum Bundesnaturschutzgesetzes, setzten wir (Kathrin und Nicolas von der Your Little Planet! - Initiative) auf den Dialog mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf und der Oberen Naturschutzbehörde (Senatsverwaltung) des Landes Berlin. Ziel war es eine Lösung zu finden um die Population zu erhalten und die Störung durch die Bauarbeiten während des Aktivitätszeitraums der Bienen so gering wie möglich zu halten. Im Rahmen einer Begehung mit dem Bauleiter, einem Sachverständigen und Vertretern beider Naturschutzbehörden konnten Vorgaben für weitestgehend störungsfreie Sanierungsarbeiten zum Wohle der Sandbienenpopulation erarbeitet werden und führten zum überleben der Aggregation.

Derzeit sind wir dabei Pflegemaßnahmen als auch Informationsveranstaltungen für interessierte Anwohner vorzubereiten.

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Bild 3: Die neue Generation wartet auf besseres Wetter um Pollen für die nachfolgende Generation zu sammeln

 

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