Lebensmittelverschwendung

Zusammenhänge: Politik | Lobbyismus | Konzerne | Massentierhaltung | Klimawandel | Monokulturen | Ackergifte | Gesundheit | Energie | Tagebaue | Biodiversität | Plastik | Landraub | Freihandelsabkommen | Geldinstitute | Gemeinwohl | Konsum | Wir Menschen | Gleichberechtigung

Wir produzieren heutzutage mehr Lebensmittel, als jemals zuvor auf unserem Planeten produziert wurden. Wir produzieren so viel, dass wir vieles davon wieder wegwerfen. Von 4 Milliarden Tonnen produzierter Lebensmittel weltweit, werden 1,3 Milliarden Tonnen weggeworfen. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber vor allem falsche Lagerung, ein übertriebenes Einkaufsverhalten, eine schlechte Verteilung und unser Wirtschaftssystem sind schuld.
Eine Folge davon ist der hohe Verbrauch an Ressourcen, denn die in die Produktion gesteckte Energie wird nicht sinnvoll genutzt und die Schäden durch konventionelle Landwirtschaft oder Massentierhaltung sind angerichtet.
Und das in Zeiten in denen Menschen in den Industrienationen in einer Überflussgesellschaft auf Kosten der ärmeren Regionen unseres Planeten leben. Denn dort leiden über 850 Millionen Menschen täglich an Hunger, also jeder achte Mensch. Und es sterben jeden Tag über 57.000 Menschen an Unterernährung.

Politik

Während in anderen Ländern bereits Gesetze existieren, die Supermärkten verbieten verzehrbare Lebensmittel wegzuwerfen, schläft bei uns die Politik weiterhin um der Wirtschaft entgegen zu kommen und deren Kosten so gering wie möglich zu halten.
Auch Regulierungen durch die EU nehmen groteske Züge an und schaffen einen riesigen Müllberg an Lebensmitteln. So ist vorgeschrieben wie groß oder welche Form Obst und Gemüse haben müssen. Wenn Lebensmittel bei der Ernte diese Anforderungen nicht erfüllen werden sie direkt bei der Ernte schon weggeworfen (z.B. werden 4 von 10 Kartoffeln wegen dieser Vorschriften in den Müll geworfen obwohl man sie Essen kann).
Die Politik unterstützt keine Bürger-Initiativen die sich der Rettung weggeworfener Lebensmittel verschrieben haben. Ganz im Gegenteil werden hier und dort solche Vorhaben sogar durch Behörden blockiert. Jüngst in Berlin, wo Behörden versuchen die Fairteiler von Foodsharing zu sperren.

Lobbyismus

Firmen und Wirtschaftsverbände nehmen Einfluss auf Politiker um nachhaltigere Gesetze, zum Erhalt von Lebensmitteln und einen besseren Umgang mit diesen, zu verhindern.

Konzerne

Viele große Supermarktketten verweigern weiterhin die Kooperation mit Initiativen wie der Tafel oder Foodsharing. Stattdessen werden die Lebensmittel, aus Angst vor dem Verlust von Kunden die Lebensmittelretter werden könnten, weggeworfen.
Bei vielen Supermärkten und / oder Bäckereien sind selbst am Abend die Regale weiterhin prall gefüllt, damit die Auslage "ansprechend" aussieht. Bananen oder anderen Obst wird weggeschmissen weil sie braune Flecken bekommen und wir sie angeblich nicht mehr "ansehnlich" finden, obwohl dies nur ein Zeichen von Reife ist? Oder Kartoffeln weil die eine oder andere bereits anfängt zu keimen? Brauchen wir das alles wirklich damit wir uns besser fühlen beim Kauf von Lebensmitteln?

Massentierhaltung

Auch Fleisch und Wurstwaren die später weggeworfen werden, kommen mit den üblichen Folgen der Massentierhaltung daher, denn der Urin und Kot der Tiere sorgen für Überdüngung (Stichwort Nitratbelastung).

Klimawandel

Die für Weide- und Ackerland abgeholzten Waldflächen die kein CO2 mehr speichern und der Methan-Ausstoß der Tiere beschleunigen den Klimawandel.

Monokulturen

Auch für weggeworfenes Obst und Gemüse werden trotzdem Monokulturen angelegt mit den bekannten Folgen des Rückgangs der Artenvielfalt.

Ackergifte

Damit Monokulturen überleben, werden nicht benötigte andere Pflanzen und auch Tiere beseitigt und totgespritzt durch Ackergifte wie Glyphosat oder Neonicotinoide. Die Folgen sind das andere Tiere weder Schutz noch Nahrung finden und auch Bestäuber wie Bienen oder Schmetterlinge immer mehr zurückgehen.

Gesundheit

Diese Ackergifte für verschwendete Lebensmittel wirken sich trotzdem auf die Gesundheit der Menschen aus, die auf den Feldern arbeiten. Die WHO schätzt die Zahl der jährlichen Pestizidvergiftungen auf 3 bis 25 Millionen, jedes Jahr sterben bis zu 2 Millionen Menschen an den Folgen des Einsatzes dieser Ackergifte.

Energie

Für die Produktion der weggeworfenen Lebensmittel wurde viel Energie verbraucht, sei es bei der Ernte, der Produktion, dem Transport, Verkauf oder auch am Ende für die Entsorgung. Diese Energie belastet zusätzlich unsere Umweltbilanzen, da in der Regel keine regenerativen Energien verwendet werden sondern Atomstrom oder Kohlestrom, wobei letzterer bei der Erzeugung auch noch den Klimawandel beschleunigt.

Tagebaue

Und natürlich werden für die Förderung der  Rohstoffe für die Energiegewinnung auch wieder Tagebaue angelegt. Bevor ein Tagebau errichtet wird müssen Wälder gerodet und ganze Dörfer umgesiedelt werden. Die Folgen sind die Zerstörung der ursprünglichen Biosphäre und soziale Konflikte mit der dort lebenden Bevölkerung. Nach der Räumung des Gebietes wird das Grundwasser reduziert, damit der zukünftige Tagebau nicht wieder im Grundwasser versinkt. Dies führt dazu dass sich in der ganzen Region weit über den Tagebau hinaus, der das Grundwasser insgesamt deutlich senkt und ein Grundwasserdefizit entsteht. Dort wachsende Vegetation und Landwirtschaft ist dadurch beeinträchtigt. Und das alles nur damit wir Lebensmittel produzieren… und diese wegwerfen.

Biodiversität

Mit Monokulturen, den dafür genutzten Massentierhaltungen, den Ackergiften, der Energierzeugung und den Tagebauen wird massiv auf die Biodiversität auf unserem Planeten Einfluss genommen. Ökosysteme werden gerodet und zerstört die sonst Tieren und Pflanzen aller Art einen Lebensraum bieten. Weltweit werden geschätzte 550 Milliarden m3 Trinkwasser alleine für Ernten verbraucht, die niemals verzehrt werden.

Plastik

Auch Lebensmittel die am Ende weggeworfen werden, werden verpackt – in der Regel mit Plastik das umwelttechnisch mittlerweile ein Alptraum ist. Vieles davon landet einfach im Müll, oder auch der Straße, gelangt von dort in Flüsse und landet am Ende in den Meeren. Mittlerweile bestehen 75% des Mülls in den Meeren aus Plastik-Müll.

Landraub

Für weggeschmissene Lebensmittel werden Anbauflächen benötigt. In den letzten Jahren hat vor allem Landnahme (die illegale Aneignung von Land), oftmals durch sehr starke staatliche, halbstaatliche und privatwirtschaftliche Akteure, zugenommen. Vor allem Europäische und nordamerikanische Großkonzerne gehen diese Wege, darunter sind auch zunehmend Investmentfonds, Banken und Hedgefonds die Ackerland in armen Ländern als gewinnbringendes Spekulationsgut entdeckt haben. Dabei wird die grundlegende und dringend benötigte kleinbäuerliche Struktur durch die Landnahme großer Konzerne verdrängt.

Freihandelsabkommen

Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA werden die Produktionsbedingungen, auch für unsere weggeworfenen Lebensmittel, noch mehr verschlechtern durch den Abbau von Umweltstandards, dem Verbraucherschutz und Produktionsstandards. Dadurch würde die Produktion dieser verschwendeten Lebensmittel noch mehr Schaden anrichten als ohnehin schon.

Geldinstitute

Auch verschwendete Lebensmittel werden finanziert – und durch immer weiter sinkende Lebensmittelpreise geraten Höfe und Bauern immer mehr in die Abhängigkeit von Banken. Dies führt dazu, dass Banken auf immer mehr Höfen diktieren was angebaut oder produziert wird. Man kann sich leicht vorstellen, dass dies nicht unter ökologischen und nachhaltigen Aspekten geschieht, sondern der Gewinnmaximierung dient.

Gemeinwohl

Die für die Tonne produzierten Waren verbrauchen Ressourcen die auf Kosten künftiger Generationen gehen denen diese nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Gesundheit vieler Menschen wird geschädigt, Menschen getötet, Land geraubt

Konsum

Denn wir sind das Problem, weil viele von uns Nahrungsmittel lieber billig haben wollen ohne dabei auf Qualität und Produktionsbedingungen zu achten. Die Menge an Lebensmitteln, und die Vielfalt an Sorten des eigentlich ein und desselben Produkts sind keine Sachen die wir benötigen. Unsere Einstellung muss sich ändern was wir alles brauchen und ob alles so billig wie möglich sein muss, egal wie viel es dann an Umwelt, Gesundheit oder Gemeinwohl kostet.

Wir Menschen

Wie benötigen keine vollen Regale zu jeder Uhrzeit. Wir benötigen keine perfekten oder genormten Lebensmittel. Wir benötigen keine Gesetze die Containern unter Strafe stellt.
Wir müssen lernen das das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das bei jedem Lebensmittel auf der Verpackung steht, nur sagt das das Lebensmittel MINDESTENS bis zu diesem Datum haltbar ist. Es heißt aber NICHT dass man das Lebensmittel dann wegwerfen muss, sondern man muss seinen gesunden Menschenverstand einschalten und einfach riechen ob Lebensmittel nach dem MHD noch essbar sind. Das sind sie in den meisten Fällen ohne Probleme (manche Joghurts sind sogar noch bis zu einem halben Jahr und länger später noch völlig in Ordnung wenn sie noch nicht geöffnet wurden). Lediglich bei sehr leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fleischwaren (auch Fisch) muss man vorsichtiger sein.

Gleichberechtigung

Die Überproduktion an Lebensmitteln wirkt sich auch auf die Märkte schwächerer Länder aus, denn für die Tonne produzierte Lebensmittel  Produzierte Überschüsse an Lebensmitteln die nicht schnell verderben, werden zu billigen Preisen an Märkte in Afrika und Asien verkauft. Die Folgen für die dortige Lebensmittelindustrie, vor allem Kleinbauern, sind massiv. Denn ein Wettbewerb ist gegen die billigen und stark durch die EU und USA subventionierten Lebensmittel nicht möglich und lokale Märkte werden zerstört.

Containern

Dies ist die ursprünglichste Form der Lebensmittelrettung aus der alles entstand. Die an jedem Abend von Geschäften in Containern geworfenen Lebensmittel sind dabei oft gut verpackt und/oder nicht verschmutzt. Diese werden dann aussortiert, zuhause gereinigt und dann verzehrt oder verteilt. Meist steht dies unter Strafe und gilt als Diebstahl... was zeigt wie dringend unsere Gesellschaft eine Veränderung braucht.

Lebensmittelretter

Einen Schritt weiter gehen sogenannte Lebensmittelretter die auch Teil des foodsharing-Netzwerks sind. Diese wenden sich direkt an Läden und Supermärkte die Lebensmittel verkaufen oder herstellen, und holen kurz vor Ladenschluss diese Lebensmittel ab. Diese werden dann an andere Menschen kostenlos verteilt, da oftmals große Mengen abgeholt werden.

Foodsharing e.V.

Gegründet im Jahr 2012 von Raphael Fellmer, widmet sich der Verein der Aufgabe, getreu dem Motto "Lebensmittel teilen statt wegwerfen", abgelaufene und aussortierte Lebensmittel aus Supermärkten und Einzelhandel vor der Mülltonne zu retten und an andere Menschen zu verteilen. So werden Lebensmittel auch zu Hause nicht mehr weggeworfen und lieber geteilt und es entstehen ganz neue Bekanntschaften mit Menschen die auch Lust haben etwas in unserer Welt zu verändern. In Deutschland ist foodsharing ein tolles Beispiel was Menschen auf die Beine stellen können um Dinge von der Basis an zu ändern. Als erstes deutsches Projekt zur Rettung von Lebensmitteln, ist durch die freiwillige Arbeit vieler Menschen ein gutes Netzwerk entstanden.

 

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